Arbeitskreis „Theorie und Methodologie in der Religions- wissenschaft“ (AKTUM)

Hintergrund

Trotz der Hochkonjunktur des Themas Religion in gesellschaftlichen Diskursen wird die Religionswissenschaft in der Öffentlichkeit nach wie vor nur relativ gering wahrgenommen und muss auch in der universitären Landschaft immer wieder um die Anerkennung als eigenständiges Fach kämpfen. Unseres Erachtens kann eine klare theoretische wie methodologische Positionierung des Faches diesem Defizit entgegenwirken. In öffentlichen Diskursen Stellung nehmen zu können, setzt voraus, religionswissenschaftliche Themen über ihre religionsgeschichtliche Spezifik hinausheben zu können und allgemeine Aussagen über Religion formulieren zu können; d.h. mit religionswissenschaftlicher Theorie die Gegenstände zu diskutieren.

Die Religionswissenschaft hat nach der Kritik an der der Theologie verhafteten klassischen Religionsphänomenologie keine positive neue eigene theoretische Positionierung vorgenommen. Spätestens in den 90er Jahren hat die Religionswissenschaft einen „social and cultural turn“ durchlaufen. Diese stärkere Anlehnung an sozial- und kulturwissenschaftliche Theorien ist vor allem einer neuen Aktualität des Themas Religion und entsprechend neuen Fragestellungen geschuldet. Ist auf der einen Seite diese Orientierung sehr zu begrüßen, so hat sie bislang nur wenig zur inneren Re-Positionierung der Religionswissenschaft in ihrer post-phänomenologischen Ära beigetragen. Im Gegenteil hat sich in den letzten Jahren daraus eine Tendenz entwickelt, das Fach in viele Einzeldisziplinen, wie Religionssoziologie, Religionspsychologie, Religionsethnologie etc. aufzuspalten. Eine eher philologisch arbeitende Religionsgeschichte einerseits und eine an systematischen Fragen orientierte, heute oft sozialwissenschaftlich arbeitende gegenwartsorientierte Religionswissenschaft andererseits sind zudem als Pole in der gegenwärtigen Situation des Faches zu beobachten.

Wir möchten mit diesem Arbeitskreis einen Raum öffnen, um den häufig nicht in ausreichender Konzentration und mit zu wenig wechselseitigem Austausch geführten Debatten um die theoretische Fundierung der Religionswissenschaft mehr Gewicht zu geben.

Eine Neuorientierung der Religionswissenschaft, die ihre Stärke aus der theoretisch wie methodologisch reflektierten Verbindung beider Pole gewinnt, ist das Anliegen dieses Arbeitskreises. Insofern soll der Arbeitskreis Religionswissenschaftler und Religionswissenschaftlerinnen aus verschiedenen Forschungstraditionen zusammen bringen, um so zu einer aus vielseitigen Perspektiven gewonnenen expliziten theoretischen Fundierung und Positionierung religionswissenschaftlichen Arbeitens zu gelangen. Auch die Herausforderungen einer angewandten oder anwendungsorientierten Religionswissenschaft könnten so fundierter angegangen werden.

Folgende Themenkreise sind Schwerpunkte des Arbeitskreises:

  • Positionierung der Religionswissenschaft in der Öffentlichkeit
  • Religionswissenschaft in (methodologischer und theoriebezogener) Abgrenzung zu Nachbardisziplinen wie Philologien, Philosophie, Soziologie und Theologie (u.a.)
  • Religionswissenschaft als eigenständige Disziplin im Kontext der Sozial- und Kulturwissenschaft (Bestandsaufnahmen und neue Ausblicke)
  • Aufgaben und Methoden der Religionswissenschaft (z.B. zum Verhältnis von Erklären und Verstehen, von Außen- und Innenperspektive, von Religionskritik und Affirmation etc.)

Arbeitsweise des Arbeitskreises

  • Am Arbeitskreis interessierte DVRW-Mitglieder treffen sich regelmäßig mindestens einmal im Jahr, um an einem Thema gemeinsam zu arbeiten, eigene Arbeiten zu AK-Themen zu diskutieren und die weitere Arbeit, wie beispielsweise Tagungen oder Publikationen, zu organisieren.
  • Der Arbeitskreis veranstaltet etwa alle zwei Jahre thematisch eingegrenzte aber für alle Religionswissenschaftler und Religionswissenschaftlerinnen der DVRW offene Tagungen mittels eines „call for papers“. Der Teilnehmer/innen kreis soll überschaubar bleiben, um ein intensives Arbeiten zu ermöglichen. Eine Ausweitung auf internationale Teilnehmer und Teilnehmerinnen soll begrenzt möglich sein, um die Enge des Fachs innerhalb des deutschen Sprachraums etwas aufzubrechen.
  • Der Arbeitskreis möchte über Publikationen, Tagungen, die Veranstaltung von panels auf einschlägigen Tagungen und andere Aktivitäten sowohl fachintern als auch über das Fach hinaus seine Arbeit, Themenstellungen etc. bekannt machen.
  • Mittelfristiges Ziel des Arbeitskreises ist es, auch finanzielle Förderungen einzuwerben.

Konkrete Vorhaben des Arbeitskreises

  • Durchführung der ersten, thematisch bezogenen Arbeitstagung des AKTUM im Sommer 2007
  • Durchführung einer Veranstaltung / Podiumsdiskussion (o.ä.) auf der DVRW Tagung 2007 in Bremen
  • Initiative eines Lehrbuchs zur Theorie und Methodologie in der Religionswissenschaft (Projektplanung EF, GK)

Bereits durchgeführte Aktivitäten

  • Offenes Arbeitstreffen zum Thema „Perspektiven religionswissenschaftlicher Theorie und Methodologie“ vom 3. bis 4. Februar in Hannover (mit 18 Teilnehmern/innen)

Sprecherinnen des Arbeitskreises, im Juni 2006

Edith Franke (Marburg): edith.franke[a]staff.uni-marburg.de
Gritt Klinkhammer (Bremen):
klinkhammer[a]uni-bremen.de

Aktuelles

3. Tagung des Arbeitskreises „Theorie und Methodik der Religionswissenschaft“ zum Thema Religionswissenschaft und Post-Kolonialismus.

Bericht

Call for Papers

 

Betreut von Steffen Führding
Aktualisiert 21.06.2010
webmaster[at]dvrw.de

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